Wenn gute Noten nicht mehr zählen, sondern Persönlichkeit: Schulen und Konzerne auf neuen Wegen

 

Zukunftskompetenzen wie Mut zum eigenen Denken und Mitgefühl entwickeln: was sich innovative Schulen und Unternehmen alles tun, um in einer digitalisierten VUKA-Welt gut leben zu können

 

VUKA meint, dass die Welt immer volatiler, unsicherer und komplexer wird und geprägt ist von Ambiguitäten (inneren Widersprüchen). Zugleich wird die Digitalisierung der Wirtschaft viele Routine- und Erledigungsarbeiten ersetzen, von denen bisher Millionen von Arbeitskräften gelebt haben.  Um diesen Herausforderungen begegnen zu können suchen große Firmen für ihren Führungsnachwuchs nicht mehr nur "die Besten" mit den guten Noten, sondern unkonventionelle Persönlichkeiten. Ein Beispiel ist die Deutsche Lufthansa. 

 

Die Lufthansa sucht in Online-Anzeigen jährlich zehn „mavericks, visioneers and open thinkers“, also "Eigenbrötler", "Visionäre" und "unbefangene Denker". Die künftigen Führungskräfte bilden ein ProTeam und werden ganz besondere Erfahrungen machen... 

 

So gehen sie alle eine Woche ins Kloster Münsterschwarzach zum Meditieren, was sie achtsamer und damit wahrnehmungsfähiger und reflexionsfähiger machen soll für einen unbefangenen Blick auf die Dinge.

In Sozialprojekten in Indien oder Thailand lernen sie, mit fremden Mentalitäten gemeinsam etwas Sinnvolles zu gestalten. Und zusammen mit erfahrenen Managern nehmen sie teil an Zukunftskonferenzen in Palo Alto, Kalifornien, um Visionen zu entwickeln.

 

Die künftigen Chefs sollen phantasievoll und eigensinnig sein, müssen sich aber zugleich immer verständlich machen können - und das auch wollen. So lernen die „Querköpfe“ das, was mehr ist als Wissen, nämlich Eigensinn und  Reflexivität, individuelle Phantasie und gemeinsame Kreativität, Mitgefühl und Handlungsmut. Diese Soft Skills oder Metakompetenzen werden immer wichtiger für uns alle - und das hat seinen Grund:

 

In einer VUKA-Welt werden fertige Rezepte und Konzepte immer weniger funktionieren. Deshalb macht es zunehmend Sinn, in Metakompetenzen zu investieren, denn sie sind Voraussetzung dafür, neue Konzepte und Strategien entwickeln zu können. Und das betrifft nicht nur Konzerne, sondern letztlich alle Bürger, denn mit was sollen wir künftig unser Geld verdienen, wenn die konventionellen Arbeiten von Computern übernommen werden?  

In turbulenten Zeiten, wo einzelne Konzepte zu kurz greifen und einseitige Perspektiven kontraproduktiv werden, macht es mehr Sinn, gemeinsame Lösungskompetenzen zu entwickeln. Diese Kompetenzen sind allerdings kein Wissen und können deshalb nicht mehr so wie bisher unterrichtet werden! Die bewährte Didaktik als Lehre des Lehrens muss ergänzt werden durch die Mathetik als Lehre des Lernens. Das zu begreifen ist für Politiker und  Verbandsfunktionäre sowie Schulleiter und Lehrer (und damit für uns alle) echtes Neuland!

 

Um diese Metakompetenzen zu wecken, schicken innovative Schulen wie die Gemeinschaftsschule in Berlin ihre Schüler drei Wochen lang in kleinen Gruppen los mit nur 150 Euro in der Tasche, z.B. auf eine Radtour zur Ostsee. Die Schüler müssen sehen, wie sie zurechtkommen und Ressourcen erschließen. Sie lernen dabei wie es ist, wenn Pläne scheitern und wie man dann gemeinsam auf neue Ideen kommt. Das ist nicht immer leicht. Doch die Schüler sind richtig stolz auf sich und ihr Team, wenn sie zurückkommen! PS. In jeder Schule könnte doch jeder Schüler einmal eine Woche lang bei einem zufällig ausgewählten Mitschüler wohnen, um dort soziale Kompetenzen zu lernen... 

 

Kurz: Haben wir den Mut, neue Wege zu gehen und gemeinsam die Fähigkeiten zu entwickeln, die wir für eine gute Zukunft brauchen? 

Dazu braucht es konservative Verläßlichkeit ebenso wie eigenwillige Unternehmungslust, Teamgeist und Solidarität. Und neben unserer Tatkraft brauchen wir zugleich ein Gespür für dass, was wir auf der Erde anrichten mit dem, was wir tun... Das sind alles Perspektiven und Optionen, die grundsätzlich wertvoll sind.

Bisher haben wir in politischer Zickigkeit die Konkurrenz der Konzepte gepflegt und sie politisch gegeneinander ausgespielt. Diese Dummheit werden wir uns nicht mehr lange leisten können. Wir werden Konzepte und Perspektiven je nach Situation unterschiedlich kombinieren und  integrieren müssen, um in einer konkreten Situation erfolgreich sein zu können.

 

Das Potential dazu haben wir, sagen die Hirnwissenschaften. Es allen Menschen zu ermöglichen, diese Metakompetenzen zu entwickeln, könnte die politische Aufgabe  einer wahren Volkspartei sein...