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Wenn Kinder wieder auftauen. Zur Arbeit der Autismusambulanz des DRK in Hamm

Kinder, die am Autismus leiden, erscheinen oft zurückhaltend, ja scheu und ernst zu sein. Sie lächeln und sprechen kaum und wirken dann wie taub. Sie vermeiden den Blickkontakt und körperliche Berührungen wie das Handgeben. Der normale Smalltalk mit anderen Jugendlichen, zusammenstehen und quatschen interessiert sie wenig. Auch mit Fußball lassen sie sich kaum aus der Reserve locken.

 

Über 160 Kinder und Jugendliche gibt es inzwischen, um die sich die Autismusambulanz des Deutschen Rotes Kreuzes mit ihren Außenstellen in Soest und Arnsberg kümmert. Insgesamt sind dort 20 Heil-, Sozial- und Rehabilitationspädagogen beschäftigt. In Hamm ist die Ambulanz in der Stiftstraße 17 zu finden, einer Wohnstraße südlich des Rathauses im Hammer Süden.

 

Die Autismusambulanz arbeitet auch ambulant. Die Fachkräfte besuchen Kindergärten und Schulen und beraten auch die Familien selbst, wie sie ihrem Kind zuhause eine Umgebung schaffen können, in der es sich wohlfühlt.

 

„Die Kinder brauchen es reizarm und schlicht, um sich nicht überfordert zu fühlen“, sagt Britta Hahne. Die Diplom-Sozialpädagogin leitet zusammen mit dem Heilpädagogen Ralph Post die Autismusambulanz des DRK in Hamm. Die Räume dort sind in dezenten Farben gehalten und haben wenig Bildern an der Wand. Die Umgebung soll vertraut und alles muss an seinem Platz sein und der Tagesablauf eine Struktur haben, damit sich die Kinder wohlfühlen können. Autistische Kinder spielen gerne im Sandkasten oder mit Lego. Sie mögen Brettspiele lieber als mit anderen Kindern Herumzutoben. Im Schulunterricht melden sie sich häufig zu wenig, die mündliche Mitarbeit ist ihr Handicap. Lieber äußern sie sich schriftlich und manche zeichnen auch Comics.

 

Die Fachkräfte unterscheiden mildere und stärkere Formen des Autismus. Die bekannteste Form ist der frühkindliche Autismus, der auch besonders auffällig ist. Sind die Merkmale abgeschwächt oder nur teilweise vorhanden, spricht man vom „atypischen Autismus“. Und die unauffälligsten Autisten leiden am sog. Asperger-Syndrom. Sie können ein erstaunliches Fachwissen haben und feinste Unterschiede wahrnehmen selbst an Dingen, die anderen wenig bedeuten, wie z.B. Knöpfen.

 

Im aktuellen Jubiläumsjahr des DRK in Hamm lädt die Autismusambulanz ins Kino ein. Am heutigen Montag, dem 9. April, zeigt das Cineplex den berührenden Dokumentarfilm „Life animated“. Der mehrfach ausgezeichnete amerikanische Journalist Ron Süsskind erzählt darin die Geschichte seines Sohnes Owen, der mit drei Jahren aufhört zu sprechen und seinen Eltern „wie entführt“ erscheint. Irgendwann beginnt er sein eigenes Comic zu zeichnen und gibt so Einblicke in sein Erleben. Eine besondere Rolle spielen dabei die Figuren von Disney-Zeichentrickfilmen wie „Bambi“, „Peter Pan“ und „Das Dschungelbuch“. Es sind insbesondere die Helfer der Hauptfiguren, die es Owen angetan haben. Er lernt, mithilfe der Figuren, ihrer Sprüche und ihrer Stimmen seine eigenen Empfindungen auszudrücken. Disneys Welt wird ihm gleichsam zur Brücke, um sich seinen Eltern und der Welt mitzuteilen.

 

Ein “zauberhafter und tief bewegender“ Film, sagt die Kritik. Er beginnt im Cineplex um 18 Uhr; der Eintritt beträgt vier Euro.