Die Wiederentdeckung des Lokalen

 

Immer mehr Wissenschaftler und Publizisten entdecken unabhängig voneinander das Lokale neu. Sie haben erkannt, dass die Bürger vor Ort oft am besten wissen, was für sie wirklich sinnvoll ist. 

Gemeinsam erfolgreich gestalten, was wir verstehen können und was uns wirklich am Herzen liegt: das tut Menschen auch seelisch gut in einer Welt, die immer verrückter zu werden scheint. „Wenn der Wind der Veränderung weht, bauen die einen Mauern und die anderen stellen Windmühlen auf“, lautet ein Sprichwort. Wie das geht bei uns vor Ort möchte ich anhand verschiedener Autoren gvorstellen:

 

Der Publizist Christian Nürnberger ruft die Bürger in seinem Buch „Die verkaufte Demokratie. Wie unser Land dem Geld geopfert wird“ dazu auf, ihre Angelegenheiten immer öfter selber in die Hand zu nehmen. Wenn die Markt- zu einer Machtwirtschaft wird, die uns sagt, wo es langgehen muss, sollten sich die Bürger die Verantwortung zurückholen. Sie sollten sich "im Letzten von etwas leiten lassen, das für alle gut ist" bei der Lösung der Probleme vor Ort, wo sie direkter, flexibler und leichter von normalen Bürgern gelöst werden können als von Beamten in der fernen Hauptstadt. Die Vorschläge zur Wiederbelebung der Bürgerdemokratie  sind zu finden unter www.zeit.de/angebote/buchtipp/nuernberger/index.

 

Der Soziologie Alexander Dill zeigt, wie Gemeinschaften ohne Geld Werte schaffen, wie Vertrauen, Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit. Dill nennt diese Werte „Sozialkapital“ in commons.ch/wp-content/uploads/sozialkapital20021.pdf . Es ist für ihn eine Art Notration für den Fall einer Finanzkrise und zugleich Raum für Leidenschaft, Würde und Inspiration.

 

Für Hirnforscher Gerald Hüther sind wir fast nur noch mit der Behebung der Probleme beschäftigt, die wir selbst geschaffen haben. Doch nur noch zu reparieren und zugleich Mensch und Umwelt auf Verschleiß zu fahren, sabotiert unsere Zukunft. Er beschreibt, wie wir insbesondere im Umgang mit unseren Heranwachsenden in Schulen, Initiativen und Projekten eine neue Kultur des Miteinanders schaffen können, bei der wir uns gegenseitig als Subjekte behandeln und uns dabei als selbstwirksam erfahren. 

Auf diese Weise können wir uns gegenseitig einladen, ermutigen und inspirieren, um gemeinsam mutiger, findiger und mitfühlender zu werden und dabei unsere Freude und Begeisterung wieder zu entdecken. Diese Potentialentfaltung in Städten und Gemeinden nennt er „kommunale Intelligenz“. Für Hüther sind sie der Schlüssel zu einer lebenswürdigen Zukunft vgl. www.dorf-konzepte.de/kommunale-intelligenz.

 

Für immer mehr vor allem männliche Jugendliche ist es nicht mehr attraktiv, sich in der Schule mit künstlichen Problemen zu beschäftigen, die sie nicht wirklich berühren. Sie wollen nicht mehr artig Erledigungsprozeduren lernen, die künftig ein Computer übernehmen wird und im Hamsterrad eines Unternehmens landen, dessen alternativloser  Hauptzweck das Geldverdienen ist. Machen wir uns eigentlich klar, was für eine Zukunft wir ihnen bereiten? Was wundern wir uns, wenn sie rebellisch und destruktiv werden? Sie halten uns doch nur den Spiegel vor...